Hardy

MAGIE-Interview mit Hardy MAGIE: Was macht Hardy zurzeit? Hardy: Hardy macht das gleiche, wie schon immer! Ich gebe laufend Vorstellungen in Kindergärten und Grundschulen in ganz Deutschland! Darüber hinaus, wenn ich nicht unterwegs bin, habe ich viel Arbeit im Büro! Tourneeplanung, Entwicklung neuer Zauberkästen, neue Zauberbücher entwerfen und natürlich die Weiterentwicklung meiner Lizenzmarke „Hardys Kinder-Zauberspiele“ MAGIE: Was haben Sie gemacht, bevor Sie Zauberer wurden? Hardy: Ich habe eine Verlagslehre begonnen und abgebrochen, dann war ich ein halbes Jahr bei Henk Vermeyden. Weiter über die älteste Schaubude der Welt „Auf geht s zum Schichtl“ auf dem Oktoberfest, bis ich den Weg als Kindermagier angefangen habe. Und das war der richtige Weg. MAGIE: Ihre ersten Beiträge in Zauber-Fachzeitschriften stammen aus dem Jahre 1966 („Mit Musik“ in der „Magischen Welt“). Wie und wann fingen Sie selbst mit der Zauberei an? Hardy: Ich habe mit zirka 10 Jahren mit der Zauberei begonnen, bekam einen Zauberkasten statt einer Eisenbahn. MAGIE: Und wie alt sind Sie heute? Hardy: Ich bin heute 56 Jahre alt - Wenn mich die Kinder in der Vorstellung fragen (das passiert oft) „Du Zauberer Hardy – wie alt bist du“? - dann antworte ich sehr schlau: „Ich werde in wenigen Jahren 100 Jahre alt“, und alles lacht und freut sich (auch die Lehrer)! MAGIE: In den Anfängen Ihrer Zauberei sind Sie, wenn wir uns richtig erinnern, zusammen mit Ihrem Bruder aufgetreten; ist er noch an der Zauberei interessiert? Hardy: Leider ist mein Zwillingsbruder Manfred 1991 plötzlich verstorben. Er hat zeitweise mich an seiner Hammondorgel begleitet und auf vielen Zaubervorstellungen mitgewirkt. MAGIE: Wann haben Sie mit dem Schreiben und dem Entwickeln von Zauberkästen begonnen? Hardy: Das fing ich so mit zirka 20 Jahren an, als ich meinen Stil „Kinderzauberei“ entwickelt hatte. Der erste Kasten erschien im Eigenverlag mit viel Aufwand und hieß „Hardys Zauberspielbuch I“! MAGIE: Wie müssen wir uns das vorstellen? Haben Sie diesen ersten Kasten nicht nur in Heim- und Handarbeit entwickelt, sondern auch konfektioniert? Hardy: Ja, ich habe seinerzeit den ganzen Zauberkasten im Eigenverlag hergestellt, viele Teile gekauft, die Kartonagen drucken lassen, einige Tricks wurden in Heimarbeit hergestellt, da die Auflage für einen Hersteller zu gering war. MAGIE: Und wie haben Sie ihn vertrieben? Hardy: Der Verkauf erfolgte bei den Vorstellungen, bei Messen und Ausstellungen, über Anzeigen in Fachzeitungen für Erzieherinnen und Lehrer. – Der Verkaufspreis damals lag bei 38 D-Mark. MAGIE: Wie viele Zauberkästen und -bücher von Ihnen gibt es denn inzwischen insgesamt? Hardy: Es gibt derzeit etwa 30 Zauberkästen, Zauberbücher und andere Hardy-Lizenzprodukte! Diese stelle ich derzeit alle bei der Spielwarenmesse in Nürnberg aus, wo ich jedes Jahr mit einem eigenen Aktionsstand vertreten bin. MAGIE: Und auf welchen Kasten oder welches Buch sind Sie besonders stolz? Hardy: Eigentlich auf den ersten großen „Hardys Zauberkoffer“, von dem bis heute über eine Million Exemplare verkauft wurden. MAGIE: Hat sich bei der Zusammenstellung von Kästen oder Büchern im Laufe der Jahre etwas grundlegend geändert? Werden heute beispielsweise „professionellere“ Geheimnisse verraten? Oder liegt der Schwerpunkt woanders? Hardy: Eigentlich nicht und doch! Alle Hardy-Kästen haben das gleich Prinzip: Eine überschaubare Anzahl von Tricks, die einfach und schnell erlernbar sind. Zaubertricks, die sich zur Vorführung von Kindern eignen, müssen nicht immer undurchschaubar und professionell sein, sondern der Spaß- und Spielwert zählen ganz wesentlich. Ebenso meine komplette Sprachanleitung in Versform, das bieten nur die Hardy Zauberkästen in Deutschland. Klar gesagt, der größte pädagogische Unsinn sind die Kästen, in denen 100 und mehr Tricks feilgeboten werden, von denen die Kinder allerdings höchstens eine Handvoll lernen können. MAGIE: Gibt es auch Videos bzw. DVDs von Ihnen? Hardy: Ein solches Projekt ist gerade in Arbeit. Dazu mehr, wenn es auf dem Markt ist. MAGIE: Sind die Kästen und Bücher dem Grunde nach immer ähnlich aufgebaut, oder handelt es sich jedes Mal um eine Neuentwicklung? Hardy: Ganz neue Entwicklungen gibt es kaum, aber es wird altbewährtes neu gestaltet und für die Kinder aufbereitet! Viele Lizenzprodukte lassen sich natürlich auch leichter mit einem bekannten Namen verkaufen, und da war ich von Anfang an auf dem richtigen „Dampfer“, wie man ja sieht. - Durchaus gute Kollegen haben dies leider nicht oder zu spät erkannt und wurden nur auf den Zauberkästen mit einem kleinen Autorennamen versehen, sodass kein eigener Lizenzwert entstand. Diese Kollegen sind dann leider jederzeit austauschbar und gehen langfristig „leer“ aus. MAGIE: Wie kommen Sie auf neue Ideen? Hardy: Diese kommen ganz plötzlich, oft in meinen Vorstellungen oder auch, wenn ich mal wieder einige Zeit in meine zweite Heimat Thailand fliege und dort mit meinem Berufskollegen diskutiere, der oft unglaubliche Dinge aus der asiatischen Zauberwelt einbringt. MAGIE: Hören Sie jemals von Ihren „Jüngern“? Gibt es vielleicht sogar prominente Zauberkünstler unserer Zeit, die mit Ihren Produkten angefangen haben, von denen Sie wissen? Hardy: Zahllose Eltern, die schon früher meinen Zauberkasten bekamen, sprechen mich heute auf vielen Veranstaltungen, Messen usw. an. Dass daraus auch so mancher Amateur- oder Profimagier wurde, kann ich nicht ausschließen. MAGIE: Sie haben in den Siebzigern den Hardy-Verlag gegründet und die Firma Haug Zaubertechnik aus Pfronten übernommen, dann in der Folge das Zauberstadl aufgebaut. Wie kam es dazu? Hardy: Ich habe zusammen mit Gorm Sauter die Firma Zaubertechnik Haug übernommen und nach Wiedergeltingen bei Bad Wörishofen verlegt. Das Gesamtkonzept bot sich dafür an. MAGIE: In den Achtzigern Jahren haben Sie dann durch einen spektakulären Konkurs auf sich aufmerksam gemacht. Wie sehen Sie die Sache rückblickend? Hardy: Es war seinerzeit eine tolle Sache! Leider klappte die Gesamtfinanzierung am Schluss nicht, sodass ich Konkurs anmelden musste. Viele Zauberkollegen werden sich an den Zauberstadl und den schönen Hauskongressen gerne erinnern. MAGIE: Was bedeutet es für Sie, mit Ihrer Zauberkunst auf der Bühne zu stehen? Hardy: Ein unwahrscheinliches schönes Gefühl, anderen Freude zu bereiten. Es gibt nichts Schöneres, als mit einem solchen Erfolgserlebnis zu leben. MAGIE: Zaubern Sie ausschließlich für Kinder? Hardy: Zu 95 Prozent für Kinder von 4 bis 10 Jahren – also Kindergarten- und Grundschulkinder MAGIE: Und wie viele Programme stellen heute Ihr aktuelles Repertoire dar? Hardy: Ich habe seit 38 Jahren das gleiche Programm mit acht Zaubertricks! Ich bin damit fast immer ausgebucht. Durch meinen Kundenkreis von zirka 60.000 Kunden (Kindergärten und Grundschulen) sind weitere Programm nicht erforderlich, da ich jede Einrichtung im Leben gar nicht besuchen kann. MAGIE: Was ist das Besondere an Ihrem Programm? Hardy: Das Besondere in meinem Programm ist eben nicht das „Was“ sondern das „Wie“! Das gesamte Programm ist auf meine Person bezogen, ebenso auch die Spielszenen mit den Kindern. Ein Kopieren der Tricks von Kollegen ist deshalb auch nicht möglich. MAGIE: Wie würden Sie den Unterschied zwischen Vorschulzauberei und Zauberei in der Schule charakterisieren? Hardy: Im Vorschulbereich muss alles noch mehr einfacher – auch sprachlich – aufbereitet werden. Der spielerische Bereich muss gut ausgeprägt sein. In der Grundschule ist die Aufbereitung der Tricks und Themen einfacher, aber muss ebenfalls auf dem Niveau dieser Altersgruppe liegen. MAGIE: Sie haben den Begriff bzw. die Berufsbezeichnung „Zauberpädagoge“ kreiert. Inwieweit kann die Zauberei vor Kindern überhaupt pädagogisch sein? Hardy: Das Programm ist natürlich von allen pädagogischen Gesichtspunkten her „abgeklopft“ und enthält viele versteckte pädagogische Elemente. Ob dies Sozialerziehung, Zahnpflege, Stärkung des Selbstbewusstsein ist, das ist selbstverständlich. Natürlich darf die Unterhaltung nicht zu kurz kommen. Wenn ein Programm die Kinder zum Mitspielen und Mitmachen anregt, die Kinder einbezieht und sie vor allem zum Lachen und Staunen bringt, dann hat man sein Ziel bereits erreicht: Kinderherzen fröhlich machen! MAGIE: Haben Sie jemals mit dem Gedanken gespielt, an einem Zauberwettbewerb teilzunehmen? Hardy: Nein, da mein Programm 45 Minuten dauert, nicht gekürzt werden kann und sich so auch nicht bewerten lässt. Das ist genauso wie bei Alexander Adrion, der auch nie an einem Wettbewerb teilnahm. Kinderzauberer kann man nur schwer in wenigen Minuten beurteilen, zumal meistens auch die gleichen Kinder dabei sind. Diese reagieren völlig anders als Erwachsene. Aber das wäre ein eigenes Thema für die MAGIE. MAGIE: Kennen Sie die Kinderzauber-Darbietungen von Deutschen Meistern der Zauberkunst? Hardy: Ich kenne einige Darbietungen davon, die mir gut gefallen haben. MAGIE: Wie beurteilen Sie den Trend, auch für Kinder szenisch und mit aufwändigen Bühnendekorationen zu zaubern? Hardy: Sicherlich ein neuer Trend, der seinen Reiz haben könnte. Allerdings muss man sich vorher über die Altersgruppen im Klaren sein, die für solch eine Bühnendarbietung geeignet sind. Kinder bis 10 Jahren lieben nach meiner Erfahrung eher das Einfache und Klare. MAGIE: Wann ist ein Zauberer Ihrer Meinung nach „schlecht“? Hardy: Kinder lassen sich einen „langweiligen“ oder schlechten Zauberer nicht gefallen! Darum sortieren die Kinder selbst aus. Er wird dann eigentlich sehr grausam bestraft, indem die Kinder unruhig werden, die Vorstellung stören, und alles zu einem Chaos zu werden droht. Lehrer und Veranstalter werden diesen Mann nicht mehr holen. Damit war er also schlecht! Ganz einfach. MAGIE: Wann ist Zauberei aus Ihrer Sicht erfolgreich? Hardy: Ob ein Programm - eine Zauberdarbietung - erfolgreich ist, merkt man am besten als Profi, wenn man davon „leben“ muss – und das bereits über 35 Jahre! Ein schlechter Zauberer hat meines Erachtens in der heutigen Zeit kaum Überlebenschancen. MAGIE: In der Szene war immer wieder davon zu hören, Sie hätten ein Handicap. Möchten Sie darüber etwas sagen und wie Sie damit umgehen? Hardy: Damit habe ich ja eigentlich den Weg zum ZAUBERN gefunden! Ich hatte einen sehr, sehr schweren Sprachfehler als Kind und habe mit dem ZAUBERN das Sprechen gelernt. Auf der Bühne und in der Vorstellung ist das Stottern völlig verschwunden! Damit war ich bereits in vielen Fernsehsendungen und auch in vielen Zeitungen. Mit dieser Erfahrung kann ich heute auch anderen Hilfestellung geben. MAGIE: Momentan sind – vielleicht angeregt durch den Hörbuch-Boom – beispielsweise von Andino und Topas Audio-CDs auf dem Markt. Sie haben schon 1983 eine Schallplatte mit einem Mitschnitt Ihres Kinderprogramms herausgebracht. War sie erfolgreich? Hardy: Es wurden damals 8.OOO Stück verkauft und den Rest habe ich dann übernommen. MAGIE: Ihr schönstes Zauber-Erlebnis? Hardy: Dazu muss ich ein wenig ausholen: In meinem speziellen Programm für Kindergärten ist ein Running-Gag mit „Obstessen“ eingebaut! Das heißt, die Kinder lernen, dass Hardy nach jedem Zaubertrick „traurig“ wird und eine Weintraube essen muss. Die Kinder erinnern mich daran und schreien es mir direkt zu. Ich fange dann an, „sichtlich“ lustig zu werden und hüpfe herum. Ein riesiger Gag!! – Und jetzt zu meiner schönsten Erinnerung: Als ich einmal mit dem Abbau fertig war, kam ein Kind zu mir und brachte mir eine ganze Kiste Obst, damit ich nie mehr traurig sein muss. MAGIE:... und Ihre unangenehmste Erinnerung in Bezug auf Ihren Beruf? Hardy: Der Neid einiger Kollegen mit den Verleumdungen, die leider auch mein Anwaltsbüro zeitweise beschäftigt haben. Aber das gehört wohl auch in die heutige Zeit. MAGIE: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? Hardy: Mich weiterhin in Deutschland mit meiner Lizenzmarke (Hardys Kinder Zauberspiele) bekannt machen. Dazu gehört, neue Zauberprodukte zu entwickeln und die Kinder weiterhin mit der schönen Zauberkunst zu begeistern. Das Gespräch führte Dr. Oliver Erens |
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